Es ist wieder diese Zeit – schwere graue Wolken hängen den ganzen Tag über einem, Sonnenschein gibt es nur noch in fernen Erinnerungen. Raus kommt man auch nur noch für kurze Abfahrten. Ein Ziel muss her, denn mit der Vorfreude kommt die Motivation von alleine. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein kurzer Abriss meiner Findungsphase für 2022 – von unmotiviert durch Events klicken bis hin zu genau dem Event auf das ich mich jetzt schon freue.

Findungsphase und Inspiration

Heute gibt es mehr Anlaufpunkte denn je, wenn es um Radtouren geht. Das sage ich ganz allgemein, aber eigentlich wissen wir alle, welches Wort ich gerade noch versuche zu vermeiden: Bikepacking. Es ist so Mainstream geworden, ich mags kaum sagen.

Meine erste strukturierte und mehrtägige Bikepacking Tour war die 16 Summits Challenge. Die 16 höchsten Punkte jedes Bundeslands zu bereisen. Damals noch als Flickenteppich aus knapp 6 individuellen Touren. Im Selbstversorger-Modus, aber meist mit Hotels und allem Drum-und-Dran. Etwas weniger Abenteuer als es sein könnte.

Heute fährt ein Paul Voß (Profi Rennradfahrer) beim Epic Badlands Bikepacking mit. Dem australischen Ausnahmeathleten Lachlan Morton schauen Millionen Menschen bei der alternativen – „Alt Tour“ – Tour de France im Bikepacking Modus zu. 2021 wird auch der Bikepacking eV gegründet – wo heute viele deutsche Touren ein Dach (und rechtlichen Schutz) finden. Darunter der Main Franken Graveler, die Rhön Divide oder die Grenzsteintrophy. Die Namen alleine sprechen für sich.

Doch was genau suche ich? Oder was sind eure Eckpunkte? Wonach wählt man eigentlich eine Tour.

Mein Ziele:

  • Ein Hauptevent, auf welches ich mich primär vorbereiten will, welches deutlich über bekannte Grenzen geht und herausfordernd ist
  • 6-10 Tage Reisezeit
  • Keine MTB Trails, eher einfacher fahrbares Gelände mit Schotter
  • Keine weite Anreise (kein Flug, Bahnreise unter einem Tag)
  • Selbstversorgermodus, bisher habe ich Mehrtagestouren immer mit festem Dach über dem Kopf gemacht (zumindest für eine Nacht); diesmal will ich komplett Autark sein

Damit scheiden schon Mal viele große Events direkt aus. Ich habe aktuell in meinem Leben kein Platz für ein Transcontinental, Transiberica, Silcroad Mountainrace oder andere Strecken von epischer Länge. Dazu habe ich zu großen Respekt vor dem Format und kann mein Leben dafür grad nicht auf den Kopf stellen, Stichwort: Familie und Kinder.

Die Shortlist und Ideengeber

Typischerweise stolpert man ja über andere Blogbeiträge, Videos oder Podcasts, die ein ähnliches Thema haben. Im Gedächtnis geblieben sind gerade die Beiträge von Torsten Frank, der umheimlich detaillierte Posts im „Buchformat“ schreibt (ein ganz einer Stil, man sollte Zeit mitbringen): 2021 Gedanken zu Transcontinental und Orbit360

Aber auch im Podcast von Johanna Jahnke spricht man gerne über anstehende Events mit dem Radelmädchen: Top 10 Gravel Events 2021

Für 2022 gibt es noch nicht so viel Content, aber zB. hier schon Mal eine gute Liste von Sara Hallbauer: Gravel Events 2022

So bin ich dann auf folgende Shortlist gekommen… der Fokus liegt auf die Main Franken Region (meine alte Heimat, ich bin begeistert von der Natur dort und freue mich immer wieder dort zu sein) und auf Touren die quer durch Deutschland gehen oder in anderen Regionen sind die mich reizen. Oder einfach weil der Name des Events witzig klingt. Eine komplett Bauchgefühl-getriebene Sammlung.

Grenzsteintrophy – 1.300km – 20.000hm

Bildquelle: https://bikepacking-deutschland.de/

Entlang der Grenze zwischen ehemaligem Ost- und Westdeutschland folgend führt die Grenzsteintrophy. Unwegsames Gelände und gestört steile Anstiege inklusive. Einen spannenden Rennbericht vom Bike-BILD Redakteur Mathias Müller gibt es hier zu sehen (etwas langatmig geschnitten aber vermittelt sehr gut das Gefühl dieser Tour): Grenzsteintrophy 2020 – Ein Bikepacking- und Gravel-Abenteuer

Ich würde mich sehr gerne für dieses Format anmelden und es ist noch ein heißer Kandidat. Doch es ist wirklich fragwürdig in welcher Konstitution man sein muss um diese Strecke in 7 Tagen zu packen, denn das Gelände und die Strecke sieht wirklich sehr anspruchsvoll aus. Gleichzeitig bin ich nicht komplett überzeugt vom landschaftlichen Reiz dieser Strecke, schließlich geht die Grenze nicht von solchen Bedingungen aus.

Main Franken Graveler – 660km – 9.000hm

(c) Jochen Kleinhenz – https://www.mainfrankengraveller.de/

Meine alte Heimat – ich teile eine große Liebe für die steilen Weinberge und Wälder des Frankenlandes. Eine Tour entlang des Mains und all den alten Burgen klingt schon sehr nice. Deshalb auch ziemlich weit oben auf meiner Shortlist. Jedoch fällt das Datum auf den Geburtstag meiner Tochter und damit ist das Event praktisch ausgeschieden.

Mehr Infos auf: https://www.mainfrankengraveller.de/

Rhön Divide – 260km – 6.000hm

(c) Jochen Kleinhenz – Vorschau aus: https://www.rhoendivi.de/wp-content/uploads/Rhoen-Divide-Karte-1.pdf

Wir bleiben in Franken: Rhön Divide hat nicht nur einen spektakulären Namen sondern auch eine herausragende Visualisierung. Mit einem Höhenmeterfaktor von 2.300hm auf 100km ein echter Brocken. Insgesamt 40 Gipfel. Hier geht es den ganzen Tag rauf und runter. Wenn man es sportlich nimmt und die 6.000hm an einem Tag runterreissen möchte. Klingt für mich sehr reizvoll, da es auch gleich eine sportive Challenge wäre. Perfekt für einen Tag um die Sommersonnenwende herum.

Zugleich ist der Rhön Divi zeitlich flexibel. Somit ist die Wahrscheinlichkeit tatsächlich 2022 unter meine Reifen zu kommen sehr hoch.

Mehr Infos: https://www.rhoendivi.de/

Bikepacking Trans Germany – 1.600km – 20.000hm

Eine der ältesten Bikepacking-Veranstaltungen Deutschlands (laut meiner Wahrnehmung – es war einfach einer der ersten Filme zum Thema die ich mal vor Jahren auf YT gesehen hatte: Bikepacking Trans Germany (2016). Aber im ernst: diese Tour ist irgendwie legendär. Leider wird es keinen gemeinsamen Start 2022 geben.

Die Organisation gestaltet sich für die Veranstalter schwierig, da es verzerrte Wahrnehmungen seitens der Teilnehmer (Stichwort Erwartungshaltung) als auch der regionalen Verwaltungen und Amtsträger gibt (die meinen es würde ein Rennen durch ihren Vorgarten abgehalten werden). Klingt aber auch zugleich nach einem Problem, welchem man durch die Dachorganisation Bikepacking e.V. begegnen könnte (da dies auch einen guten rechtlichen Rahmen schafft).

Wie dem auch sei: die Idee klingt für mich wahnsinnig verlockend. Nach der 16 Summits Challenge aus 2019 könnte dies ein würdiger Nachfolger für mich werden. Es gibt keine Zeitvorgabe. Jedoch ist der Track nicht ganz nach meinem Geschmack, da er sich primär ans Mountainbike-Publikum richtet. Das ist absolut legitim aber deckt sich nicht mit meiner Idee etwas schneller voran zu kommen. Somit ist diese Überquerung auch nicht in meinem geplanten Zeitfenster machbar. Also musste ich wieder kreativ werden… dazu gleich im Fazit mehr.

Dead Ends & Cake – 500km – 8.000hm

Ein reizendes Ziel im Nachbarland Schweiz – die Dead Ends & Cake Veranstaltung. Es geht in entlegene Winkel der schweizer Berge. Wo keiner hin möchte, denn da sind Sackgassen. Doch wo ein Ende da auch ein Kuchen. Das ist die Regel dieses Rennens. Primär würde mich hier die Landschaft reizen.

Da es einen gemeinsamen Start gibt ist die Zahl der Teilnehmer stark limitiert. Verständlich, aber dadurch auch weniger planbar. Zudem mit einer etwas verlängerten Anreise verbunden. Sportlich aber auf jeden Fall eine extreme Herausforderung und damit wieder sehr spannend.

Mehr Infos: https://www.deadendsandcake.ch/

Badlands – 750km – 15.000hm

Eine echte Ultracycling-Challenge. Von den Transiberica-Veranstaltern wird nun seit 2019 die Badlands-Tour veranstaltet. Ein vergleichsweise „kurze“ Runde, die ein Lachlan Morton natürlich ohne Schlaf am Stück fährt. Auch diese ewigen Youtube-Formate machen für mich vermutlich den hohen Reiz der Route aus. Die Bilder sehen unvorstellbar schön aus, die Landschaft erinnert an Krater auf dem Mars. Zugleich ist die Länge relativ fair gehalten, man kann die harte Strecke in mehrere kürzere Etappen stückeln und sich so durchhangeln. Vor Hitze und Wüste habe ich großen Respekt. Gerade wenn Profis darüber berichten fast verdurstet worden zu sein (siehe Video ganz oben von Paul Voß) – das wirkt einer naiven Vorstellung aus der Ferne entgegen.

Doch leider ist die Anmeldung für Badlands 2022 bereits zu spät, die Plätze der organisierten Tour sind alle vergeben. Ein individueller Start wäre aber natürlich immer möglich.

Mehr Infos: https://www.transiberica.cc/

Mein 2022 Fahrradkalender

So 100% ist die Planung nicht abgeschlossen. Aber alles was eine fixe Anmeldung und limitierte Teilnehmerliste hat fühlt sich unpraktisch an, dazu bin ich einfach nicht für langfristige Planung gemacht. Aber umso mehr reizt mich etwas, wo ich selbst in die Routenführung eingreifen kann. Und das wird mein Ziel 2022:

Bikepacking Trans Germany 2022 im Kreativmodus

Bilder von komoot.com – Screenshot des ersten Entwurfs der Routenplanung

Ich werde eine Route quer durch Deutschland legen. Angefangen am südlichsten Zipfel (nicht genau an der Grenze, aber nahe daran) bis hin nach Sylt (eine Insel die ich bereits besucht habe und mich weiterhin sehr reizt, zugleich ist es der nördlichste Punkt Deutschlands).

Mit 1.200km und etwa 10.000hm wird die Route moderat. Auch kann ich die Wege so wählen, dass es nicht zu techn. anspruchsvoll. Mein Ziel ist aber auch die Strecke komplett ohne Hotels und festem Dach über dem Kopf zu machen. Gleichzeitig möchte ich die Route sportiv unter die Räder nehmen, also etwa 200km am Tag abfahren. Mit einer kleinen zusätzlichen Herausforderung.

Ich möchte zugleich einen Fokus auf ein anderes Hobby legen: Landschaftsfotografie. Um die Reise zu dokumentieren möchte ich jeden Tag mindestens ein Foto machen, für das ich mir mehr Zeit nehme. Also an einer Location länger verweilen für ein Bild. Ob das klappt? Bisher ließen sich Radfahren und Fotografieren selten gut kombinieren. Weil beides einfach Zeit braucht.

Dies wird das primäre Event für 2022. Drum herum möchte ich noch mehrere Routen durch die Main-Franken-Region fahren. Sehr wahrscheinlich den Rhön Divi. Aber auch noch andere Ideen, welche ich auch noch abfahren wollte.

Und welche Ziele habt ihr euch für 2022 vorgenommen?