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Fahrraddiebstahl ist und bleibt eins der häufigsten Delikte Deutschlands und die Aufklärungsquote ist auch im Zeitalter der Digitalisierung nahezu inexistent. Daher ist der Markt für Fahrradschlösser unvorstellbar groß. Selbst, wenn man sich nur auf die beliebtesten Markenhersteller konzentriert, muss man sich als Konsument zwischen den verschiedensten Formen von Fahrradschlössern entscheiden: Kabelschlösser, Kettenschlösser, Faltschlösser, Bügelschlösser und mehr findet man in der Abteilung für Fahrradzubehör. Dabei hat man überhaupt keine Ahnung, was davon wirklich sicher ist und was nur sicher aussieht. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Wahl der Fahrradschloss-Art vermutlich bereits das wichtigste Kriterium für die Sicherheit des Fahrrads.

Fahrradschlösser im Überblick

An oberster Stelle in diesem Beitrag siehst Du eine Auswahl an beliebten Fahrradschlössern mit Sicherheitsangabe. Die Hersteller machen gerne eigene Sicherheitsangaben zu ihren Schlössern, die mehr oder weniger willkürlich erscheinen. Eine Begründung für jene eigene Sicherheitsangaben findet man in den allermeisten Fällen nicht. Außerdem tummeln sich lauter Fake-Tests im Netz, die man auch nicht wirklich ernst nehmen kann.

Wir konnten aber zu jedem der hier vorgestellten Fahrradschlössern mindestens einen verlässlichen Test finden. Um möglichst transparent zu bleiben, haben wir uns auf ein Kriterium konzentriert: wie lange es dauert, um das Schloss mit einem handelsüblichen Bolzenschneider zu öffnen (wahrscheinlich das beliebteste Tool von Fahrradknackern). Selbst teure Fahrradschlösser mit höchsten Sicherheitszertifikaten seitens der Hersteller halten diesem einfachen und geläufigen Werkzeug oft nicht stand. Quellen zu den individuellen Tests findest Du im nächsten Abschnitt!

Wie wurden die Fahrradschlösser getestet?

Drei wichtigste Werkzeuge der Fahrraddiebe sind Metallsägen, Bolzenschneider und Powertools (akkubetriebener Seitenschneider), einige konnten wir selbst testen, einige Tests haben wir im Internet recherchiert.

Wie bereits angegeben haben wir uns auf das Kriterium der Bolzenschneider-Sicherheit konzentriert (dazu findet man auch die meisten seriösen Tests). Damit sind im Prinzip aber auch ähnliche Werkzeuge mit eingeschlossen wie Kabelschneider und Metallsäge, die einem Fahrradknacker in der Regel zur Verfügung stehen. Was das Werkzeug angeht, gibt es nur im Vergleich zu elektrischen Werkzeugen (z.B. batteriebetriebene Seitenschneider) erhebliche Unterschiede. Mit solchen Power Tools bekommt man jedes Fahrradschloss auf – doch dafür ist solch ein Werkzeug deutlich lauter und auffälliger. Auch wenn diese elektrischen Werkzeuge immer kleiner und günstiger werden, werden die meisten Fahrraddiebstähle wahrscheinlich immer noch mit mechanischem Handwerkzeug getätigt.

Die Fahrradschlösser aus obiger Übersicht wurden wie folgt getestet:

  • Das Ottolock Cinch Lock wurde von „LockPickingLawyer“ in nur 2 Sekunden im Video zerschnitten (ein einzelner Schnipp). Ein sehr kleiner Kabelschneider wurde eingesetzt – nach Angaben des Video-Erstellers war es der günstigste Kabelschneider im Baumarkt. Quelle: Youtube-Video
  • Zum Hiplok Gold fanden wir nur einen seriösen Test, im Beitrag „The Best Bike Lock“ von „thewirecutter.com“. Das Hiplok Gold gehörte zu den schwächsten Fahrradschlössern im Test. Quelle: Best Bike Lock
  • Ein Abus Bordo Faltschloss stellt schon eine etwas größere Herausforderung dar. Die Streben bekommt man nur mit einem Power Tool durch. Doch mit Talent und etwas Geduld ist es möglich, die Verbindungsstellen zwischen den Streben mit einem guten Bolzenschneider zu zerschneiden. In einem Video von „House of Chain“ wird das Modell Bordo 6000 innerhalb von 90 Sekunden so geknackt. Es wird von thewirecutter.com bestätigt, dass dies auch beim Modell Bordo Granit X-Plus 6500 möglich ist. Quelle: Youtube-Video (bzw. Best Bike Lock)
  • Sowohl das Kryptonite Evolution Mini-7 als auch das Kryptonite Fahgettaboudit können mit einfachen Tools wie einem Bolzenschneider nicht geknackt werden – der Stahl ist dafür zu dick und zu massiv (das zusätzliche KFlex-Kabel vom Mini-7 ist dabei natürlich ausgenommen). Man benötigt ein elektrisches Power Tool, um solche Fahrradschlösser zu knacken. Quelle: Best Bike Lock

Fahrradschloss Sicherheit

Mit Powertools und Metallsägen haben wir Schlösser im Versuchslaber geknackt.

Doch wie stellt man auch ohne individuelle Tests fest, wie sicher und wie widerstandsfähig ein Fahrradschloss ist? Dazu gibt es im Prinzip nur Faustregeln. Aber in den meisten Fällen kann man die Stärke eines Fahrradschlosses ohne Tests schon recht gut einschätzen. Dafür braucht es nur etwas Materialkunde und einen gesunden Menschenverstand – es ist geradezu verblüffend, dass sich modische, teure Fahrradschlösser mit hohem Kunststoff- oder Textil-Anteil überhaupt verkaufen. Letztendlich kommt es oft auch bloß darauf an, wie sicher ein Fahrradschloss erscheint – denn der Fahrradknacker sucht sich eher das leichtere Fahrradschloss aus. Daher ist der Schein manchmal sogar wichtiger als das Sein. Auch als Laie erkennt man anhand folgender Regeln schnell, welches Fahrradschloss sich eher auf dem Land als in der Großstadt eignet:

  • Jegliche Kunststoffanteile sind für einen Kabelschneider wie Butter – egal wie dick. Ein Kabelschloss mit Kunststoffmantel stellt das allereinfachste Fahrradschloss dar und wird vom Fahrraddieb auch als solches erkannt.
  • Auch sonstige Bestandteile wie die Textilien, die beim Tex-Lock eingesetzt werden, sind mit handelsüblichen Schneidgeräten innerhalb von Sekunden durchtrennt.
  • Stahlkabel (dünner als 5mm) oder Kabel mit geringem Stahlanteil halten einem Kabelschneider auch kaum stand, sind mit aller Wahrscheinlichkeit bereits nach dem ersten Schnitt durchtrennt.
  • Bei Kettenschlössern und Bügelschlössern kommt es darauf an, wie dick der Stahl ist. Je nachdem, dauert das Knacken länger oder ist nur mit Power Tools möglich. Stahlglieder, die dicker als 10mm sind, sind in der Regel schon sehr sicher.
  • Es kommt aber immer nur auf das schwächste Glied an. Wenn das Fahrradschloss eine erkennbare Schwachstelle hat, kann man davon ausgehen, dass auch der Fahrraddieb diese Schwachstelle sieht. Faltschlösser sind zwar sehr beliebt, doch die Verbindungsstellen zwischen den Streben stellen offensichtliche Schwachstellen dar. Für optimale Sicherheit raten wir daher vom Faltschloss ab.
  • Schließmechanismus und -Zylinder sind ebenfalls wichtig zu prüfen. Zahlenschlösser sind praktisch, jedoch lassen sich einzelne Zahlen häufig durch ziehen am Schloss ‚ertasten‘ und schnell knacken. Hier sollte man immer auf eine hohe Verarbeitung achten, der Mechanismus darf sich bei einzelnen Zahlenänderungen in keinem Fall bewegen. Das ist nur bei hochwertigen Zahlenschlössern der Fall.
  • Als Käufer schaut man gerne auf das Gewicht, um einen schnellen Überblick darüber zu bekommen, wie massiv und wie sicher das Fahrradschloss ist. Einen Fahrraddieb kümmert das Gewicht nicht! Die anderen Faktoren sind daher wichtiger, wenn man wirklich sicher gehen möchte. Das Gewicht haben wir in unserem Überblick bloß als Komfortfaktor mit aufgenommen.

Im Prinzip kommt es darauf an, wie dick der Stahl ist und ob das Fahrradschloss irgendwelche Schwachstellen hat, an denen der Stahl dünner ist (z.B. Verbindungsstücke).

Schließzylinder Sicherheit

Oft stellt aber auch der Schließzylinder das schwächste Glied des Fahrradschlosses dar. Vor allem Kombinationsschlösser können in der Regel spielend leicht geknackt werden, wenn es sich nicht um ein sehr hochwertiges Kombinationsschloss handelt. Bei Fahrradschlössern mit Schlüssel ist man auf der sicheren Seite. Doch wie sicher der Schließzylinder wirklich ist, ist für einen Laien kaum zu erkennen – denn es kann drastische Unterschiede im Inneren des Schließmechanismus geben. Je nachdem kann das Fahrrad mehr oder weniger einfach mit einem Dietrich geknackt werden. Manchmal kann auch der gesamte Schließzylinder mit einem Akku-Bohrer entfernt werden.

Es gilt die Daumenregel: Je beliebter das Fahrradschloss und je häufiger man es draußen auf der Straße findet, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die Fahrraddiebe dieses Fahrradschloss kennen und wissen, wie man den Schließzylinder knackt.

Außerdem ist ein komplexer Schlüssel ein guter Hinweis auf die Sicherheit des Schließzylinders. Klassische Schlüssel (wie z.B. an einem Briefkasten) mit Zähnen sind generell unsicherer als Schlüssel, die eine komplexe Struktur haben (Wellen, Unebenheiten, Kerben).

Fahrradschloss Arten

Hier ein Überblick zu den verschiedenen Arten von Fahrradschlössern mit Vor- und Nachteilen. Dabei handelt es sich nur um allgemeine Faustregeln – es gibt natürlich auch Schlösser, die von der Regel abweichen: entweder im positiven Sinne durch innovative Designs, oder aber im negativen Sinne wegen einer unzureichenden Ausarbeitung.

Kabelschloss

Einfache Mini-Fahrradschlösser lassen sich in Sekunden mit Metallsägen, Kabelschneidern oder Bolzenschneidern öffnen.

Kabelschlösser haben in der Regel einen Stahlkern, der mit Kunststoff ummantelt ist. Diese Schlösser sind sehr flexibel und leicht, aber die Sicherheitsstufe eines Kabelschlosses ist in der Regel trivial. Ein Kabelschloss ist ein akzeptables Zweitschloss (zusätzlich zu einem besseren Fahrradschloss) und sollte nur im Notfall alleine verwendet werden.

Kettenschloss

Eine Kette stellt ein simples, aber verlässliches Sicherheitsmittel dar. Wie viel Sicherheit man aber wirklich bekommt, steht in direktem Verhältnis zur Stärke der Stahlglieder (bzw. wie dick der Stahl ist). Bei günstigen Kettenschlössern fehlt oft die Angabe darüber, wie dick die Stahlglieder sind. Richtig starke und sichere Kettenschlösser bekommt man erst im höherem Preissegment. Kettenschlösser sind sehr flexibel und können extrem sicher sein, da man die wichtigsten Fahrradteile damit absichern kann. Doch dafür gehören sie zu den schwersten Fahrradschlössern.

Faltschloss

Faltschlösser bestehen aus dicken Stahlstreben, die durch Stahlbolzen miteinander verbunden werden. Dadurch hat man ein recht flexibles Fahrradschloss, dass sich zusammenfalten lässt und nicht so viel wiegt. Dank dieser Eigenschaften sind Faltschlösser momentan sehr beliebt. In Tests zeigt sich, dass die Stahlbolzen (zwischen den Stahlstreben) mit einem einfachen Bolzenschneider durchschnitten werden können, falls man es mit einem geduldigen und talentierten Fahrraddieb zu tun hat. In der Vergangenheit haben Faltschlösser sicherlich die meisten Fahrraddiebe abgeschreckt. Doch da Faltschlösser immer geläufiger werden, ist es schwer zu sagen, wie viel Sicherheit sie noch bieten.

Bügelschloss

Ein Bügelschloss (auch: U-Schloss) besteht aus einem einzigen massiven Stahlbügel. Damit bekommt man schon für wenig Geld ein Fahrradschloss, das nur schwer zu knacken ist. Der große Nachteil des Bügelschlosses besteht darin, dass es nicht so flexibel ist. Daher kann es an manchen Standorten schwierig sein, das Fahrrad adäquat abzusichern. Für optimale Sicherheit sollte man stets versuchen, das Hinterrad des Fahrrads zusammen mit den Rahmenstreben an einen Fahrradständer anzuschließen. Das ist mit einem Bügelschloss nur bedingt möglich (bei Fahrradständern mit Anlehnbügeln).

Tex-Lock und andere Modeerscheinungen

Die Fahrrad-Industrie boomt ohne Ende und immer mehr Fahrradschlösser kommen auf den Markt, die sich sowohl als Lifestyle-Produkte als auch als Sicherheitsmittel vermarkten. Damit kann man leicht punkten – auch das durch Kickstarter-finanzierte Tex-Lock wurde damit erfolgreich. Dieses Fahrradschloss bestand in der Original-Version aus speziellen Textilien, die das Fahrrad sicher halten sollen. Damit sollte das Fahrradschloss an Gewicht sparen, ohne an Sicherheit einbüßen zu müssen.

In Praxistests zeigte sich: Das Tex-Lock konnte mit einer kleinen Handsäge innerhalb von 8 Sekunden durchschnitten werden. Quelle: Youtube-Video von Jodel Rams. Und tatsächlich wog das Tex-Lock samt Schloss in der Größe M satte 1380 g, womit es vergleichbar mit einem Bügelschloss ist.

Als Antwort darauf stellte man ein neues Tex-Lock Modell her, das durch eine Stahlkette im Inneren upgegradet wurde. Damit bleibt von der ursprünglichen Idee nur noch die besondere Optik. Die neuen Tex-Lock-Schlösser in Größe M bringen samt Schloss 1510 g auf die Waage, womit man kein Gewichtsersparnis bekommt.

Die Moral von der Geschichte? Wer Sicherheit möchte, sollte auf Sicherheit setzen. Neuartige Fahrradschlösser verdienen Zweifel, bis ihre Sicherheit in der Praxis auch wirklich bewiesen sind.

FAQ

Fahrradschloss: welcher Typ?

Eine Übersicht zu den verschiedenen Typen von Fahrradschlössern und deren Vor- und Nachteile findest Du hier: Fahrradschloss Arten

Was sollte ein Fahrradschloss kosten?

Die Faustregel besagt, dass das Fahrradschloss 10% so viel kosten sollte, wie das Fahrrad, an dem es angebracht wird. Wenn man am Preis des Fahrradschlosses sparen möchte, ohne an Sicherheit einbüßen zu müssen, sollte man sich ein Bügelschloss nehmen – dafür ist dieses Fahrradschloss unflexibel und das Fahrrad lässt sich nicht an allen Orten anschließen. Ein Kettenschloss ist flexibler, doch man muss schon mehr zahlen, um ein Kettenschloss mit massiven und starken Kettengliedern zu bekommen. Günstige Kabelschlösser eignen sich nur zur Sicherung von günstigen Fahrrädern.

Fahrradschloss: welche Sicherheitsstufe schützt wirklich?

Wir würden nicht so viel wert legen auf die herstellereigenen Sicherheitsstufen. Oft erfolgen solche Einteilungen ohne Industrie-Standards und ohne transparente Testverfahren (sprich: die Einteilung erfolgt scheinbar willkürlich und dient bloß zum Marketing). Man sollte stattdessen auf das eigene Urteilsvermögen vertrauen! Hier findest Du heraus, auf welche Faktoren es bei der Sicherheit des Fahrradschlosses ankommt: Fahrradschloss Sicherheit. Manchmal findet man auch Praxistests im Netz, in denen versucht wird, Fahrradschlösser mit Bolzenschneidern und anderen Werkzeugen zu knacken. Doch selbst hier scheint es viele Fake-Tests zu geben, die nur zum Marketing bestimmter Fahrradschlösser dienen.

Wie bringt man das Fahrradschloss an?

Man sollte das Fahrrad nicht nur abschließen, sondern auch anschließen (sodass der Fahrraddieb das Fahrrad nicht einfach wegtragen kann). Man sollte stets versuchen, das Hinterrad und die Rahmenstreben des Fahrrads zusammen am Fahrradständer bzw. Anlehnbügel anzuschließen. Man soll so sichergehen, dass der Fahrraddieb nicht einfach das Hinterrad abmontieren kann, um das restliche Fahrrad mitzunehmen! Falls möglich, sollte man zusätzlich das Vorderrad abschließen.

Welches Fahrradschloss ist am sichersten?

In der Regel sind Kettenschlösser und Bügelschlösser am sichersten. Bei Kettenschlössern kommt es aber sehr darauf an, wie dick die Kettenglieder sind. Dünne Kettenschlösser bieten kaum mehr Schutz als andere Fahrradschlösser. Doch ein Ketten- oder Bügelschloss mit dicken Stahlteilen benötigt schon ein Power Tool, um geknackt zu werden. Die meisten anderen Fahrradschlösser können es damit nicht aufnehmen. Weitere Sicherheitstipps findest Du bei der Polizei: Sicherung von Zweirädern bei polizei-beratung.de

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