Leider ist das Thema Drehmomentschlüssel kalibrieren und Eichung prüfen im letzten Beitrag zum Proxxon Drehmomentschlüssel etwas groß geworden. So groß, dass es nun ein eigener Beitrag werden musste. Ich zeige euch, wie man mit Hausmitteln feststellen kann ob das Messwerkzeug überhaupt noch halbwegs akkurat misst. Oder ob ihr es vielleicht mal einschicken solltet beim Hersteller.

Drehmomentschlüssel sind ein mittlerweile stark breitgetretenes Thema hier im Blog. Ich hatte diverse Schlüssel getestet und mittlerweile haben sich einige in der Werkstatt angesammelt. Darunter alle denkbaren Kaliber: vom Micro-Drehmomentschlüssel von Elite Sports bis hin zum Proxxon MicroClick 100. Doch wie genau messen die Schlüssel eigentlich? Und wie stelle ich überhaupt fest, dass (m)einer außerhalb seiner Messtoleranz liegt? Dazu brauchen wir etwas Gewicht, Taschenrechner und einen Faden.

Messtoleranz und Eichung selbst feststellen

Wenn man einen Drehmomentschlüssel schon lange (meist mind. ein Jahr oder deutlich länger) im Einsatz hat (oder mehrfach vergisst die Spannfeder zu entlasten) dann kann sich der Messbereich verschieben und die Genauigkeit leidet erheblich darunter. Es gibt aber eine relativ einfache Möglichkeit selbst zu prüfen, ob das Messwerkzeug noch im Toleranzbereich liegt. Oder bereits deutlich abweicht und vom Hersteller wieder geeicht und eingestellt werden sollte.

Dazu müsst ihr eine kleine Konstruktion aus Gewichten und einem Faden aufbauen. Das Gewicht, multipliziert mit dem Hebelarm, muss exakt mit dem eingestellten auszulösenden Drehmoment übereinstimmen. Denn Gewicht x Hebelarm ergibt auch immer genau ein Drehmoment in Nm. Hier der Aufbau als Anleitung.

  1. Spannt den Drehmomentschlüssel am Kopf ein, z.B. in einer Schraubzwinge. Achtet beim Einspannen auf die Drehrichtung, die meisten Schlüssel lösen nur beim Festziehen aus.
  2. Der Hebel muss parallel zum Boden verlaufen (gerne mit einer Wasserwage überprüfen).
  3. Bindet einen Faden am Griff fest. Messt dann den Abstand der Position am Faden bis zum Kopf.
  4. Nun müsst ihr Gewicht und Nm berechnen, siehe Formel unten.
  5. Hängt ihr nun das berechnete Gewicht an den Faden, dann muss der Drehmomentschlüssel genau beim eingestellten Gewicht auslösen (klicken). Mit kleineren Zusatzgewichten kann man prüfen, wo die Toleranzen beim Auslösen liegen.

Die Formel zur Berechnung eines Drehmoments und einfachem Hebel ist:

M = F · l

M (Drehmoment) entspricht der Länge des Hebels multipliziert mit der Kraft (F). Also ein 0,5m Hebel und 10Newton auf dem Hebel ergeben 5Nm Drehmoment.

Gewicht kann in Newton ungefähr wie folgt übersetzt werden: 1kg entspricht 10Newton (wer es genau nehmen möchte, es sind ein paar Nachkommastellen, aber da wir eine Toleranz von +/-5% feststellen wollen ist das nicht relevant).

Wir können also beispielsweise 4kg Gewicht (zB. 4 Liter Wasser im Kasten) an den Hebel hängen. Beim Proxxon MicroClick Drehmomentschlüssel geht der Griff bis 0,5m. Das Ergibt eine Kraft von 40N x 0,5m = 20Nm.

In der Konstruktion muss das Messwerkzeug bei einer Einstellung von 20Nm auslösen. Muss man mehr oder weniger Kraft wirken, dann ist das ein Hinweis, dass eventuell die Messgenauigkeit nicht mehr vorhanden ist.

Test erfolgreich abgeschlossen?

Löst der Schlüssel beim erwarteten Gewicht und Drehmoment aus? Oder musstet ihr etwas zuladen oder sogar Ladung entfernen? Je nachdem wie viel Gewicht dann hinzu- oder abgenommen wird kann man feststellen, wie weit eine Messung abweicht.

Einfach mal eine Flasche mehr oder weniger aufhängen. Dann kann man auch sehen wie weit die Toleranz beim Drehmomentschlüssel liegt.

Sollte der Wert über 5% abweichen, dann solltet ihr unbedingt prüfen ob ihr den Drehmomentschlüssel so noch einsetzen wollt. Besser wäre es ihn neu eichen zu lassen. In der Regel machen das nur die Hersteller und meist auch nur bei Werkzeug, das nicht allzu billig war. In dem Fall kauft man sich dann einfach einen neuen… aber das muss jeder selbst wissen.

Und hat euch das weitergeholfen? Dann freue ich mich über Kommentare und Tipps.