Wir möchten an dieser Stelle einen Einblick geben in ein sehr technisches und theoretisches Thema der Fahrradwelt – der Kettenlinie. Als Kettenlinienoptimierer wird man in manchen Kreisen nun schon als Perfektionist verlacht – doch es steckt ein wahrer Kern hinter der Theorie der perfekten Kettenlinie. Wir klären auf.

Hintergrund

Praktisch alle größeren Texte im Internet, die man über die Kettenlinie findet, gehen auf den ursprünglichen Online-Beitrag von Sheldon Brown zurück – Chainline. Die Veröffentlichungen des amerikanischen Fahrradmechanikers Sheldon Brown über Fahrrad-Technik und -Theorie verleihen seiner Person auch heute noch kultartige Verehrung. Er starb leider im Jahr 2008 – ein Ereignis, das in vielen großen Publikationen für Nachrufe sorgte und weltweit zu „Memorial Rides“ führte.

Was ist die Kettenlinie?

Die Kettenlinie beschreibt den Verlauf der Fahrradkette von den Kettenblättern vorne zu den Ritzeln hinten. Je nachdem, ob hier eine Schräglage vorliegt, verliert man bei der Kraftumwandlung Energie. Wenn man von einer optimalen Kettenlinie spricht, geht es um eine möglichst geradlinige Kettenlinie. Hier wird es schon kompliziert – es sei denn, man hat ein Fixie oder eine Nabenschaltung. Denn schließlich ist das Kettenblatt für gewöhnlich schmaler als das Ritzelpaket, da die Kettenschaltung vorsieht, dass man vorne weniger Gänge hat als hinten. Damit kann also kein 100%iges 1:1-Verhältnis von Kettenblättern zu Ritzeln vorhanden sein.

Kettenlinie bei Rennrad und bei MTB

Es geht darum, was für ein Fahrrad man fährt und wie man die Gangschaltung einsetzt. Bei einem sportlichen Stil oder einem Rennrad geht es darum, die Effizienz der höheren Gänge zu optimieren – sprich, das größte Kettenblatt mit dem kleinsten Ritzel auf eine Linie zu bringen. Dadurch sitzt die Kettenlinie dann auch weiter außen. Beim Mountainbike hingegen nutzt man eher die niedrigen Gänge und passt also eher die kleinen Kettenblätter mit den großen Ritzeln an. So sitzt hier die Kettenlinie weiter innen.

Doch um so mehr man die Kettenlinie an den Höchst- bzw. Niedrigstgang anpasst, umso ineffizienter und schräger wird die gegenüberliegende Extremlage. Man möchte die anderen Gänge nicht komplett vernachlässigen – eine zu starke Schräglage könnte schlicht dazu führen, dass eine bestimmte Gangschaltung nicht mehr funktioniert oder die Kette abspringt. Deshalb macht es im Regelfall am meisten Sinn, den Mittelpunkt der Kettenblätter mit der Mitte der Ritzel anzugleichen. Wenn man die anderen Ritzel und Kettenblätter nicht einsetzen will, kann man sie sich ja gleich sparen.

Tatsächlich bauen aber nur die allerwenigsten Radfahrer ihre Kettenschaltung-Fahrräder um, um eine bessere Kettenlinie zu gewährleisten. Solch ein Umbau ist auch sehr aufwendig. Hier geht es also eher darum, sich beim Fahren über die Kettenlinie bewusst zu sein und zu wissen, wie man die Gänge aneinander abpassen sollte, um stets eine möglichst geradlinige Kettenlinie zu haben.

Die optimale Kettenlinie bei Singlespeed

Vor allem die Singlespeed-Weisen lassen die Theorie der Kettenlinie wieder aufleben. In der Singlespeed-Szene geht es nun mal um die perfekte Form des Rads mit minimalem Gewicht – und die Optimierung der Kettenlinie geschieht nur unter geringster Gewichtszunahme. Man benötigt höchstens ein paar Spacer.

Es ist relativ leicht, die Kettenlinie an einem Fixie anzupassen – falls man eine Kassettennabe hat. Hier ist genügend Platz, um spezielle Naben-Spacer zu befestigen. Dadurch lässt sich die Position des Ritzel verschieben und anpassen.

Kettenlinie messen bei Kettenschaltung – einfach gemacht

Beim Messen der Kettenlinie sollte man sich zuerst sicher sein, welchen Punkt man vorne und welchen Punkt man hinten nutzen möchte für die Kettenlinie. Wie schon erklärt, kommt das auf die Fahrradgattung und Fahrweise an. Wer eher die höheren Gänge verwendet, der nimmt für seinen Kettenlinienpunkt eher einen Punkt, der sich auf den größeren/inneren Ritzeln und Kettenblättern befindet. Bei einer 21-gängigen 7×3-Schaltung zum Beispiel würde man als Kettenlinienpunkt vorne vielleicht die Stelle zwischen den beiden größeren Kettenblättern nehmen und hinten das zweitkleinste oder drittkleinste Ritzel. Beim Messen der Kettenlinie geht es dann schlicht darum, sich zu vergewissern, dass diese beiden Punkte den selben Abstand zur Mitte des Rahmens haben. Damit weiß man dann, dass die Kette in diesem Bereich (bei den größeren Kettenblättern/Ritzeln, sprich bei den höheren Gängen) möglichst geradlinig verläuft und somit der Antrieb effizienter vonstatten läuft. Auch der Verschleiß wird bei einer geradlinigen Kettenlage minimiert.

Sobald man sich vergewissert hat, welchen Punkt man vorne und welchen Punkt man hinten nehmen möchte, verfährt man am besten wie folgt:

  • Kettenlinie vorne ausmessen: Miss vom Sitzrohr bis zu dem gewünschten Kettenlinienpunkt. Das Ziel hier ist es, den Abstand von der Mitte des Sitzrohres bis zum Kettenlinienpunkt zu erfahren. Wenn du also vom äußeren Punkt des Sitzrohrs misst, musst du dann noch die Hälfte des Durchmessers des Sitzrohrs abziehen. Hier ist ein Messschieber sehr hilfreich! Ansonsten kann man versuchen, per Augenmaß von der Mitte des Sitzrohrs zu messen.
  • Kettenlinie hinten ausmessen: Das Ziel ist es, den Abstand von der Mitte der Nabe zum Kettenlinienpunkt auszumessen. Am einfachsten geht das, wenn man die Breite der Nabe nimmt und diese halbiert. Danach misst man den Abstand des gewünschten Kettenlinienpunkts vom rechten Ende der Nabe. Diesen Abstand muss man von der Hälfte der Nabenbreite abziehen.

→ So hat man nun jeweils den Abstand vorne und den Abstand hinten vom Kettenlinienpunkt zur Mitte des Fahrradrahmens. Idealerweise sollte dieser Abstand möglichst gleich sein – somit hat man eine geradlinige Kettenlinie in dem gewünschten Bereich (also eher weiter links bei den niedrigen Gängen, eher in der Mitte oder eher weiter rechts außen bei den großen Gängen).

Sollte der Abstand nicht so sein, wie gewünscht, kann man den Kettenlinienpunkt vorne und hinten anpassen, indem man bestimmte Bauteile auswechselt oder Spacer einbaut. Danach sollte man gut prüfen, ob die anderen Gänge trotzdem noch funktionieren!

FAQ

Was heißt Kettenlinie?

Eine ausführliche Antwortet findest Du unter Was ist die Kettenlinie? Kurz gesagt: Es geht um den Verlauf der Fahrradkette vom vorderen Kettenblatt zum hinteren Ritzel. Das ist bei Fixies und Nabenschaltungen eine feste Linie, doch bei Kettenschaltungen ändert sich die momentane Kettenlinie immer nach der Gangschaltung. Optimal ist eine möglichst geradlinige Kettenlinie – während eine schräge oder schiefe Kettenlinie ineffizient ist und den Verschleiß erhöht.

Wie wird die Kettenlinie gemessen?

Eine ausführliche Antwort darauf, wie man die Kettenlinie misst, erfährst Du unter Kettenlinie messen. Kurz gesagt: Es geht darum, jeweils den Abstand des vorderen Kettenblattes und den Abstand des hinteren Ritzels zur Mitte des Fahrrads herauszufinden. Bei einer Kettenschaltung muss man sich entscheiden, bei welchem Punkt man für die optimale Kettenlinie ansetzt.