Für Langstrecken am Rad und eine autarke Reise ist Strom immer ein Thema. Das GPS, Smartphone, Radcomputer und Licht sind die üblichen Stromfresser. Gerade zur Vorbereitung auf die kommende Bikepacking-Saison habe ich über ein ultimatives Akkupack-System nachgedacht. Welches bei Ultra-Distanz-Rennen genauso gut funktionieren soll wie bei einer Tagestour, wie zB. im Orbit360 Format. Hier zeige ich euch mein Setup. Mit 20.000mAh Akku. Und alle Optionen, die ich auf dem Weg dahin durchdacht und durchprobiert habe. Es kann ganz schön knifflig werden.

Motivation

2021 möchte ich den Trend fortsetzen und noch mehr Bikepacking-Touren fahren. Eine Transcontinental-Bewerbung wird es nicht, aber Rennen wie das Three-Peaks-Bike Race von Wien nach Nizza (2.000km) oder die 700km Badlands Tour durch die spanische Wüste Andalusiens finde ich sehr spannend. Aufgrund der aktuell unsicheren Planung bleibt aber erst Mal nur Vorbereiten. Beispielsweise das Thema Elektronik bei Selbstversorger-Rennen.

Prinzipiell ist das Setup für die meisten Rennteilnehmer und Fahrrad-Enthusiasten klar:

  • Nabendynamo: liefert zuverlässig elektrischen Strom bei Tag und Nacht.
  • Licht und Akku: wird mittels Nabendynamo geladen

Doch irgendwas fehlt hier, oder? Wie genau kommt denn der Strom vom Dynamo in den Akku? Verbindet man Licht und Akku separat? Wohin soll der ganze Krempel passen und wie sieht das Cockpit aus? Braucht man einen Spannungswandler und Pufferakku? Ihr wisst gar nicht was das ist – perfekt, ich bis vor kurzem auch nicht. Aber hier findet ihr jetzt alle Infos für das Abenteuer-Setup.

Ziel ist es ein Cockpit zu haben, wo man schnell alles im Blick hat und auch Medien steuern kann (evtl. Musik/Podcasts hören bei sehr langen Touren).

Übrigens bin ich nicht komplett selbst auf die Idee dieses Setups gekommen. Man sieht einfach sehr häufig in der Szene der Bikepacker und Ultradistanzrennen dieses Setup. Unter anderem hat schon Mal Torsten Frank in einem Post sein Cockpit-Setup vorgestellt. Welches meinem Aufbau sehr ähnlich ist und bei dem ich mich bestimmt auch der ein oder anderen Idee bedient habe – wobei ich keine Bridge zwischen den Aerobars installiert habe. Aber eine gute Idee ist, um zB. Licht auf den Aufliegern zu montieren. Wen das interessiert sollte unbedingt Torstens Beitrag lesen.

Grober Aufbau und Idee

Vor kurzem erst hatte ich zur USB-Ladestation am Fahrrad berichtet. Im Test des Busch+Müller E-WERK. Es gibt aber noch weitere Optionen auf dem Markt, die ein ähnliches Setup anbieten. Um alle Herausforderungen der volatilen Stromstärke und -Spannung zu beherrschen braucht es folgende Bauteile.

  • Nabendynamo liefert im Optimalfall 3 Watt, jedoch haben wir keine konstante Stromlieferung. Spannung und/oder Stärke schwanken, auch ist unklar ob der Wechselstrom mit einer gleichmäßigen Herzfrequenz ankommt.
  • Spannungswandler/Netzteil: Eine intelligente Steuerungseinheit wird benötigt, die extreme Schwankungen abfedert. Meist in Form eines separaten Teils, oder auch integriert mit Pufferakku. Der Begriff Spannungswandler ist jedoch nicht streng zu nehmen. Gemeint ist die Steuerungseinheit die schwankende Stromstärken nimmt und einen festen Output hat. Also praktisch ein Netzteil, das am Nabendynamo betrieben werden kann und für den Verbraucher den richtigen Ausgangswert hat (Volt und Ampere).
  • Pufferakku: Ein Akku, der gleich zwei Funktionen hat. Schwankende und häufig unterbrochene Stromzufuhr abfedern: moderne Geräte (wie Smartphones) reagieren auf den Anschluss an Strom durch verschiedene interne Berechnungen und Anzeigen. Springt dies häufig um (an und aus), dann überfordert das die Elektronik unnötig und kann bei empfindlichen Geräten schon Mal zu Störungen und Schäden führen. Ein separater Akku federt (puffert) das weg. Die zweite Funktion: man bleibt flexibel, wann und welches Gerät geladen wird. Ob am Abend im Camp das Licht oder während der Fahrt ein GPS Navi. Der Akku ist ein guter Puffer für all diese Situationen.
  • Dynamo-Licht oder Akku-Licht: Es ist einem selbst überlassen, ob man das Licht direkt in den Kreislauf schaltet. Oder als separates Teil mit eigenem Akku mitfährt. Dabei ist es flexibler, man hat ein Kabel weniger am Rad. Muss aber Strom von einem Akku in den anderen „pumpen“. Hingegen bei der Dynamo-Licht-Lösung muss man sich über die Verkabelung Gedanken machen.
    Ideal: Man hat beide Lösungen parallel, damit man gegen Ausfälle gesichert ist. Ein zweites Licht ist vital für Langdistanz-Rennen. Doch wie vereinbart man alle Komponenten?
  • Kabel-Abzweigung: Falls man ein Licht direkt am Nabendynamo betreibt muss man entweder direkt am Dynamo-Ausgang beide Kabel (zum Spannungswandler und Licht) anschließen. Oder ein Kabel teilen, dazu gibt es von SON spezielle Bausätze: Koax-Stecker-Abzweigdose.

Optionen – Architektur der Stromkreisläufe

Hier eine kurze Skizze aller Optionen die mir einfallen.

A) Licht und Netzteil/Akku direkt am Nabendynamo.

B) Licht direkt am Nabendynamo, danach Abzweigung zu Netzteil/Akku.

C) Netzteil/Akku direkt am Nabendynamo ohne direktes Licht am Dynamo

Alle Varianten müssen/können um ein Akkulicht erweitert werden. Es ist sinnvoll für längere Touren zwei Lichter mitzunehmen. Wenn möglich ein Akkulicht zum Anstecken und ein LED Frontscheinwerfer am Nabendynamo betrieben. Damit hat man Ausfallsicherheit, da das Licht unersetzlich ist bei Bikepacking-Rennen, die man auch Nachts bestreiten möchte.

Mein Ideales Setup ist die Variante A mit einem zusätzlichen Licht zum Anstecken. Dieses kann auch einfach nur eine gute Helmleuchte sein.

Detailliert werde ich folgende Kreisläufe haben.

  1. Ein Nabendynamo von Shutter Precision, daran werden zwei Kabel Strom ziehen: Spannungswandler/Akku und das Licht.
  2. Licht vorne ist eine LED SON Edelux II Leuchte.
  3. Spannungswandler/Netzteil ist das Bumm E-WERK, welches an der Gabel montiert wird.
  4. An den Aerobars befindet sich die Powerbank mit 20.000mAh. Hier habe ich ein IP67 wasserdichtes Alternative gewählt, da ich Platz in den Taschen sparen möchte. So kann das ganze Stromthema außen liegen. Zudem hat die Powerbank eine Leuchtfunktion, was zur Not auch hilfreich sein könnte.
  5. Mein Navi wird vermutlich ein Elemnt Bolt sein. Daneben werde ich noch optional mein Handy fixieren wollen. Damit man schneller Nachrichten schreiben kann, wenn man kurz stehen bleibt. Oder auch Musik/Podcasts steuern kann.
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Aufbau

Die genannten Komponenten habe ich nun in mehreren Runden mal hier mal da platziert. Folgendes Setup habe ich insgesamt als am besten befunden. Zumindest für mich, meine Aerobars und Lenker-Kombination.

Um die Powerbank zu fixieren bieten sich verschiedene Straps an. Am besten finde ich die Birzman, die es leider bei Amazon nicht gibt. Eine ähnliche Variante sieht so aus, hat jedoch auf der Rückseite keine Anti-Rutsch-Beschichtung. Die in dem Fall wichtig ist, damit die Powerbank nicht nach und nach rausrutscht.

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Die Montage des Smartphones habe ich mit einer Quad Lock Handyhalterung vorgenommen. Dadurch, dass das Handy hier nur um 45° gedreht werden muss zum entsperren passt es gerade noch so zwischen die Auflieger für die Unterarme.

So habe ich jetzt bei langen Routen alles im Blick. Muss nichts aus den Taschen kramen. Und zusätzlich etwas Platz in den kleinen Bikepacking Taschen gewonnen.